„Jede Zeit ist umso kürzer,wenn man
glücklich ist“
Kennt dieses Phänomen nicht jeder,dass
die Zeit zu fliehen scheint wenn man eine schöne Zeit erlebt und
glücklich ist?! Ich jedenfalls kann es kaum glauben,dass meine 6
Monate hier in Costa Rica bei meiner Familie und meine Zeit als große
Schwester von drei Prinzessinnen nun schon zu Ende ist. Während den
6 Monaten habe ich viel über die Kultur gelernt und miterlebt,ihre
Sprache erlernt und ihre Mundart mir angewöhnt und viele Teile des
Landes zu sehen bekommen.
Auf meinen vielen Reisen durchs Land
mit unterschiedlich aber stets netter Begleitung habe ich von nah
ruhenden Giftschlangen, über unterschiedlichst gefärbte Sandstrände
und thermalwasserwarmen Flüssen zum baden bis hin zu mir unbekannten
Dschungelgewächs Vieles zu sehen bekommen.
Trotz der Tatsache, dass Costa Rica in
etwa der Größe von Niedersachsen entspricht weist das Land eine
hohe Biodiversität auf. Nicht nur die Flora, die von immergrünen
tropischen Regenwald,Nebelwälder bis hin zu Trockenwälder reicht
ist beeindruckend,sondern ebenso die Fauna. Zahlreiche Säugetiere
leben in der Region,die als Landbrücke sowohl Einflüsse von
Nord-als auch Südamerika aufweist. So lassen sich aus Nordamerika
zugewanderte Säugetiere wie Raubkatzen,Füchse und Rotwild als auch
die aus Südamerika stammenden Faultiere und Ameisenbären vorfinden.
Aber nicht nur die Natur ist anziehend
für die rund 2,1 Millionen Touristen jährlich sondern auch die
Wesensart der Ticos. Sie zählen laut einer Studie zu den
glücklichsten Menschen der Welt trotz Korruption,steigenden
Lebenshaltungskosten,Verschuldung,Verkehrsinfarkt und zunehmender
Kriminalität. Die friedliebenden und freundlichen Ticos haben einer
sehr positive Lebenseinstellung und das Heute interessiert hier mehr
als das Morgen. So haben sie Zeit ein Schwätzchen mitten auf der
Straße zu halten, die warmgewordene Cola des Busfahrers wird kurz
durch eine Kühle aus dem Kühlschrank des Kiosks getauscht und wenn
man eben mal 3 Stunden im Wartezimmer des Arztes verbringt wird die
Zeit mit Knabbereien und gelassenen Gesprächen versüßt.
Dank der offenherzigen Wesensart der
Ticos ist es mir somit nie schwergefallen Kontakt mit ihnen
aufzubauen und kleine Freunschaften entsehen zu lassen.
So war ich auch Teil einer Sportgruppe
bestehend aus unterschiedlichsten Frauen aller Altersstufen in einem
ärmeren Viertel und wir haben von gemeinsamen ausgelassen tanzen
beim Zumba bis hin zu Krafttraining und Gymnastik auf
Babydecken,Schaumstoffkissen oder Strandmatten alles gemacht. Es war
eine wunderbare Gemeinschaft mit viel Herz und es hat sich immer
angefühlt wie eine große Familie,die nicht nur zusammen Sport macht
sondern auch zusammen Probleme löst oder Hilfe leistet.
Mit jedem weiteren Tag sind mir die
Ticos und meine Familie mehr ans Herz gewachsen und ich wurde nur
noch begrüßt als die kleine „machita“, die große Schwester
oder große Tochter . Während sie sich die Zeit genommen haben mir
viel von ihrer Kultur, ihren Philosophien und Eigenheiten zu zeigen,
habe ich im Gegenzug ihnen viel von meiner schönen Heimat und
unserer Kultur erzählt, ihnen ein wenig deutsch beigebracht und in
Form von meinen Kochkünsten sie mit
Kässpätzle,Knödel,Rouladen,Rotkraut und anderen Köstlichkeiten
auf den Geschmack gebracht.
Während der schönen Weihnachtszeit,
in der es stets gemütlich und familiär wird,haben sie mich ganz
liebevoll mit eingebunden und nach und nach kam doch ein kleines
Weihnachtskribbeln auf. So hat das ganze Haus nach selbstgemachten
Plätzchen (nach Omas Hausart) und Glühwein gerochen, wir haben als
Schneeersatz bei 25 °C Schneeflocken aus Papier gebastelt und beim
Trällern von „feliz navidad“ einen so richtig
überhäuften,kitschigen und klitzerigen Weihnachtsbaum geschmückt.
Natürlich durfte die Tamalproduktion während dieser Zeit auch nicht
fehlen. Das Gericht Tamal ist typisch für die Dezemberzeit und
besteht aus Maisteig bestückt mit Fleisch,Gemüse,Nüsse oder andere
Zutaten je nach Geschmack und wird dann in Bananenblätter eingehüllt
gedämpft.Ähnlich wie bei uns das Plätzchen austauschen jedes Jahr
wird das selbe auch mit dem Tamales gemacht und am Ende hat man ganz
verschiedene Tamales. Auch Silvester im Kreise von vielen Freunden
und mit einem gigantischen Ausblick über die ganze Stadt war
wunderschön anders und hat mich mit viel Freude und gut ins neue
Jahr gebracht.
Im neuen Jahr musste ich aufgrund
meines 90-Tage Visum erneut ausreisen und so hab ich mich mit
Freunden aufgemacht nach Panama City mit einer 16-stündigen
Busfahrt. Eine lange Reise mit typisch Latino viel Durcheinander an
den Grenzen aber mit der Gelassenheit der Ticos, vielem Fragen und
einem netten Lächeln im Gesicht gut machbar und durchaus eine
Erfahrung wert.
Die Hauptstadt Panamas liegt direkt am
Pazifik und da sie aufgrund des nebenan liegenden Panamakanals eine
wirtschaftliche Weltstadt ist und das Stadtbild geprägt von
Hochhäusern ist, wird sie auch als Miami Zentralamerikas
bezeichnet. Man kann neben höchst modernen und komplexen Hochhäusern
auch schöne Kolonialbauten im Casco viejo sehen und natürlich gibt
es auch zwischen den riesigen Gebäudekomplexen immer wieder
runtergekommene Wellblechsiedlungen.Sehr auffallend war aber auch die unfreundliche barsche Art der Panameños mit ihrem nuschelnden Spanisch. Trotz allem haben wir schöne,interessante und eindrucksvolle Tage in einer modernen und konträren Stadt erlebt.
In ein paar Tage ist es also soweit und
ich leg all meine hier eingenommenen Rollen als
Spielkameradin,Tränen-aus-dem Gesicht-Tupferin, Unterstützerin,
Chauffeurin, Ratgeberin, Kuschelkissen, Aufpasserin,
Köchin,Lächeln-ins-Gesichtzauberin oder einfach nur als Zuhörerin
und Freundin ab und mach mich bereit für 2 Monate Backpacking mit
meinem Papalino von Costa Rica aus über Panama und Kolumbien nach
Peru.
Ich sehe dem Ende mit gespaltenen
Gefühlen entgegen, denn zum einen habe ich meine Familie tief ins
Herz geschlossen, mit ihnen vieles erlebt und werde definitiv dieschönen langen Gespräche mit meinen Gasteltern und die
Gute-Nachtküsse mit herzlichen Umarmungen meiner Mädels vermissen.
Auch wenn sie ganz schöne Nervensägen sein konnten haben sie mir
all die Mühe stets mit lieben Gesten/Worte, schönen Momenten und
Ausflügen zurückgezahlt.
Auf der anderen Seite freue ich mich
jetzt unheimlich auf meine wieder erworbene Freiheit,Unabhängigkeit
und auf all die Abenteuer, die auf mich und meinen lieben Papalino
warten.
Ich vermiss euch Lieben alle so sehr
und hab euch tief in meinem Herzen! Ich hoffe es geht euch wunderbar
egal wo ihr euch gerade befindet :)
Ich freue mich euch dann ab Mai
wiederzusehen und wunderbare Dinge gemeinsam zu erleben!Les echo de menos y que les vaya bien.
Con cariño Leonie
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